Wer sich mit der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) beschäftigt, begegnet früher oder später einem zentralen Begriff: „die Mitte stärken“. Doch was bedeutet das eigentlich – und warum spielt Ernährung dabei eine so wichtige Rolle? Um das zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Grundlagen der TCM.
Die Mitte in der TCM – das Zentrum unserer Gesundheit
In der TCM bilden Yin und Yang, das Konzept der Lebensenergie Qi sowie der Zyklus der fünf Wandlungsphasen die Basis allen Verständnisses von Gesundheit und Krankheit.
Die Wandlungsphase Erde nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Zu ihr gehören die beiden Funktionskreise Magen und Milz, die gemeinsam als „Mitte“ bezeichnet werden. Sie bilden das Zentrum der fünf Wandlungsphasen und spielen eine entscheidende Rolle für unsere Vitalität, unser Immunsystem und unsere langfristige Gesundheit.
Warum Ernährung in der TCM so zentral ist
Während im Westen oft der Fokus auf Inhaltsstoffen wie Vitaminen, Eiweiß oder Kohlenhydraten liegt, betrachtet die chinesische Diätetik seit Jahrtausenden die energetische Wirkung von Lebensmitteln, Gewürzen und Getränken. Schon lange vor unserer Zeitrechnung wurde Ernährung in China gezielt eingesetzt, um Gesundheit zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen.
Die Aufgabe der Mitte: Energie gewinnen und verteilen
Magen und Milz sind dafür zuständig:
- Nahrung und Getränke zu verdauen
- daraus Qi (Energie) zu gewinnen
- diese Energie im Körper zu verteilen
Magen und Milz wandeln unsere Nahrung in die sogenannte nachgeburtliche Essenz um – unsere wichtigste Energiequelle im Alltag. Ist unsere Ernährung dauerhaft ungünstig, kann diese Energie nicht ausreichend gebildet werden. Der Körper greift dann auf die vorgeburtlichen Reserven zurück – unsere Grundsubstanz, die wir bei der Geburt mitbringen. Diese Reserven sind jedoch endlich.
Eine gut funktionierende Mitte hilft also, diese wertvolle Essenz zu schonen und langfristig gesund zu bleiben. Und: Die Mitte ist die Drehscheibe, die alle anderen Funktionskreise mit Energie versorgt.
Wie stärke ich meine Mitte mit der Ernährung?
Die chinesische Diätetik kennt einige grundlegende Prinzipien, um Magen und Milz zu unterstützen:
1. Wärme
Bevorzuge warm gekochte Mahlzeiten. Suppen, Eintöpfe, Reisgerichte, gekochtes Gemüse oder Ofengerichte sind für die Mitte deutlich bekömmlicher als kalte Speisen.
2. Regelmäßigkeit
Die Milz liebt Regelmäßigkeit. Unregelmäßiges Essen, Mahlzeiten auslassen oder ständiges Snacken schwächen die Mitte.
3. Ein warmes Frühstück
Dem Frühstück kommt in der TCM eine besondere Bedeutung zu, denn zwischen 7 und 11 Uhr sind laut Organuhr Magen und Milz energetisch am aktivsten. Ein warmes, gekochtes Frühstück unterstützt das Verdauungsfeuer und stärkt den Körper für den Tag.
Geeignet sind zum Beispiel:
- Suppen
- Kompotte
- Omeletts
- gekochtes Gemüse
- Reisgerichte
4. Leichtes, frühes Abendessen
Das Abendessen sollte nicht zu spät stattfinden – idealerweise vor 19 Uhr – und eher maßvoll sein, um die Verdauung über Nacht nicht zu belasten.
5. Richtig trinken
Trinken ist wichtig, aber am besten zwischen den Mahlzeiten. Große Mengen Flüssigkeit zum Essen verdünnen die Verdauungssäfte und erschweren die Arbeit von Magen und Milz.
6. Achtsam und mit Genuss essen
Ablenkung beim Essen durch Handy, Fernsehen oder Zeitung schwächt die Mitte. Gründliches Kauen, eine ruhige Atmosphäre sowie Freude am Kochen und Genuss beim Essen fördern die Bekömmlichkeit.
Diese Lebensmittel schwächen die Mitte
Zur Stärkung der Mitte sollten aus Sicht der TCM gleichzeitig folgende Nahrungsmittel reduziert oder gemieden werden:
- Rohkost und kalte Speisen aus dem Kühlschrank
- Milch und Milchprodukte
- häufige Brotmahlzeiten
- Zucker und Süßigkeiten
- Fertiggerichte, Tiefkühlkost und Mikrowellenessen
Auch im Rahmen meiner 1:1 Ernährungsberatungen steht die Stärkung der Mitte im Mittelpunkt – individuell abgestimmt und alltagstauglich umgesetzt.
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